Archiv der Kategorie 'Texte'

Bündnisse, Theorie und Sesselpupser

Nachdem ich mir die von Sous la Plage initiierte Diskussionsrunde über Sinn und Unsinn angehört habe, ist das jetzt quasi mein Versuch der Nachbearbeitung.

Als erstes auffällig ist, besonders beim Diskussionsteil am Ende, aber auch vorher schon in einzelnen Redebeiträgen, das heftige und ausgeweitete Gestichele in möglichst die Richtung der anders Positionierten. Da wird aus der Gruppe 8.Mai mal ganz schnell ein Haufen Sesselpupser (mein neues Lieblingswort) und aus Avanti und IL eine Ansammlung von Aktionsfetischisten (ich weiß den genauen Wortlaut nicht mehr). Eigentlich wäre das ja nicht weiter tragisch, nennen kann jedeR alle so wie es dem eigenen Geist beliebt, problematisch wird es aber dadurch das tendenziell über solch nichtige Begrifflichkeiten die eigentlichen Inhalte vergessen werden und die Diskussion zu einer Farce wird in der lediglich auf irgendwie Diffamierenden Schuldzuweisungen rumgeritten wird.
Inhalt der Diskussion war, das fand ich als solche auch interessant und ergiebig:

Bündniskultur

Besonders Gruppen wie AVANTI und IL mussten sich da anhören, das sie gerade durch ihre Intervention in große Bündnisse mit NGO’s wie dem Missionswerk usw. nur eine marginalisierte Randrolle einnehmen könnten (passend, denn mehr ist die Radikale Linke auch zZ. leider nicht) und dementsprechend dann Aufrufe unterzeichnen würden, bzw. müssten, die eben alles andere als Linksradikale Inhalte darstellen.
Diese Kritik ist richtig und die genannten Gruppen müssen sich das auch gefallen lassen, nur anstatt sich dann schmollend in eine Ecke zu verziehen sollte mehr darüber nachgedacht werden, in welcher Art und Weise denn Bündnisse mit nicht Linksradikalen Gruppen betrieben werden können. Die Schlussfolgerung das diese ganz und gar ausbleiben sollten halte ich für falsch, denn wie gut dargelegt wurde, ermöglicht vielleicht gerade die Intervention in solche Bündnisse eine Stärkung radikaler Inhalte und eine größere Personengruppe die damit erreicht werden kann.
Das bedeutet also, dass unter Umständen ein zentraler Aufruf nicht unbedingt das verstecken der eigenen Position bedeutet, sondern eher das Zurückstecken aller Beteiligten erfordern müsste. Also statt einen Konkreten Text als gemeinsamen Aufruf zu veröffentlichen könnte und sollte eine Linksradikale Bündnissbeteiligung darauf hinwirken, dass der gemeinsame Aufruf aufs Minimalste gekürzt und stattdessen einzelne Aufrufe der teilnehmenden Gruppen angehängt werden könnten, in dem dann, ohne auf die Dummheit der anderen hinzuweisen, die eigene Position dargelegt wird und erklärt wird das trotz aller inhaltlichen Differenzen ein gemeinsames und solidarisches Auftreten von Nöten sei.
Wenn dieses nicht möglich ist, oder aufgrund von zu starken Inhaltlichen Differenzen nicht denkbar scheint, dann muss auf das Bündnis verzichtet werden, da eine komplette Aufgabe und ein bloßes Signieren von befremdlich wirkenden Aussagen bezüglich der Thematik keinesfalls wünschenswert sein kann.

G8, Hin oder nicht?

Es schien allgemein Konsens zu sein, dass es auf jeden fall die Aufgabe einer Radikalen Linken sein sollte in Soziale Kämpfe einzugreifen und Position zu beziehen.
Differenzen gab es lediglich bei der frage OB auch für den G8 Mobilisiert werden sollte.
Richtig ist zwar, dass die Gefahr besteht, bei einer G8-Kritik schnell in eine Personalisierende und damit Verkürzte Kapitalismuskritik überzugehen, aber trotzdem bleibt die Frage warum denn bei G8, ein Ereignis an dem sich nun mal Soziale Kämpfe Manifestieren nicht eingegriffen werden sollte.
Denn, die Personalisierende Kritik ist real vorhanden und wird geäußert, sei es von Attac vom DGB, von Greenpeace usw. Das bedeutet, dass solange bei einer Mobilisierung darauf geachtet wird klarzustellen, dass das G8-Treffen lediglich eine Möglichkeit unter vielen ist Kritik zu äußern ist es sehr wohl nötig und legitimiert dort auch vor Ort eine Manifestation dieser Kritik der falschen Zustände zu äußern und vielleicht eine Änderung der Denkweise zu bewirken. Auch ein Streik bei dem die Arbeiter ihren Konzern vor den bösen Heuschrecken beschützen wollen ist zwar durchzogen von falschen Ansätzen der Kritik, aber trotz alledem ein Punkt an dem eingegriffen werden sollte mit dem Versuch diese Kritik in die richtigen(besser in richtigere) Bahnen zu lenken.
Es ist also richtig zum G8 zu fahren und dort den Unmut über die Scheiße die tagtäglich stattfindet zu äußern, genauso wie es richtig ist in Frankfurt, Köln, München, Hannover und Berlin während, vor und nach dem G8-Gipfel die gleiche Kritik zu äußern, in einem Konsens von Sesselpupern und Aktionsfetischisten.

Ungdomshouset und Krawall

Nach der Räumung des Ungdomshouset am Donnerstagmorgen in Dänemark ließen sich zwei äußerst erfreuliche Effekte im Zuge dieses eigentlich beschissenen Ereignisses beobachten.

Erstens, die flammenden Solidaritätsbekunden für das Ungdomshouset, die Kraft, Kreativität und Energie, mit der protestiert, informiert und agiert wurde. In fast allen Deutschen Groß- und auch in etlichen Kleinstädten gab es Soli-Kundgebungen, Demos, und teilweise auch Barrikaden und Ausschreitungen. Zentrum des ganzen war natürliche Kopenhagens Stadtteil Nörrebrö, Stundenlange Straßenschlachten die sich auch am Freitagabend nicht eindämmen ließen, fanden mit Unterstützung Internationaler GenossInnen statt.

Zweitens war besonders im Medienecho etwas Erfreuliches zu beobachten. Jegliche Art von Krawalle und Ausschreitungen wurden immer ursächliche mit der Räumung des Ungdomshouset in Verbindung gebracht, oftmals wurde z.B. im Radio oder in Zeitungsmeldungen der Bürgerlichen Presse sogar relativ ausführlich auf die Situation und die Geschichte des Hauses eingegangen. Somit lies die Presse anscheinend wenigstens dieses eine Mal ihre sonstige Argumentation von der angeblich Sinnentleerten und Destruktiven Randale fallen.
Denn wenn klar wird, was sich oftmals mit einer einfachen gedanklichen Transferleistung der Lesenden erreichen lies, dass es sich bei diesen Ausschreitungen eben nicht um Themenlose Krawall sondern um eine direkte Reaktion auf die Aktive und Strukturelle Gewalt, die überall auf der Erde auf linke emanzipatorische Freiräume ausgeübt wird, dann steigt die Akzeptanz der antikapitalistischen linken Argumentation und Handlungen auch im Bürgerlichen Lager.
Dass das nicht alles ist, ist mir sehr wohl bewusst, ebenso wie es sich bei Ausschreitungen eben auch immer um einen bewussten Bruch mit der Bürgerlichen Protestmoral und Wertvorstellung in Bezug auf demokratische und undemokratische Prozesse handelt, ABER es ist vielleicht ein erster Schritt auch für die radikale Linke, sich selbst eine breitere auch zuhörende Öffentlichkeit zu schaffen, ohne dazu elementare Teile ihres Kritischen Handelns aufzugeben.
Denn, so richtig die Argumentation Linksradikaler Gruppierungen sein mag, auch sie braucht eine Öffentlichkeit, die sich eben nur über Systemimmanente Medien erreichen lässt, aber wo mehr Gehör zu finden ist, da wächst auch die Sympathie und Unterstützung und somit wäre es ein Schritt zu Stärkung der teilweise stark schwächelnden Strukturen, gerade in kleineren Ortschaften.
Aber es trägt sicherlich auch seine Risiken mit sich, denn wer anfängt sich auf Mediales Echo für die eigenen Aktionen zu verlassen, der fängt auch an die Kreativität und Wichtigkeit der wirklich radikalen Kritik aus den Augen zu verlieren, so das dieses Spiel mit dem Feuer auch in eine andere, deutlich schlechtere Richtung umschlagen kann.
Letztendlich bleibt es uns allen selbst überlassen, wie wir mit Medien umgehen, wichtig ist es nur, neben den Zielen auch den richtigen Weg nie aus den Augen zu verlieren.

Der/Die/Das deutscheste

Beim ganz gewöhnlichen Zappen durchs TV-Programm am heutigen morgen fiel mir eine kurzer Ausschnitt auf dem Programm „das vierte“ ganz besonders ins Auge.
Es ging um Sportfilme mit dem dritten Komparativ, der traurigste, der schönste, der kälteste usw.
Als letztes ging dann der „deutscheste“ Film an den Start, was natürlich „das Wunder von Bern“ von Sönke Wortman (dem Film-Vorreiter der „Deutschtümelei“) sein sollte.
Das wirft für mich die Frage auf, was macht diesen Film zum „Deutschesten“ Sportfilm, aber noch viel interessanter, was ist eigentlich am „deutschesten“?
Im ganz besonderen Maße „deutsch“ macht den Film, dass es um den Gewinn der Fußball-WM 1954 geht, bei der, wie war es anders zu erwarten, aus Deutschland stammende Menschen (sog. Deutsche) sich den Titel sichern konnten.
Was letzten Sommer vermutlich in dem größten Fanenmeer-Besäufnis in der traurigen Geschichte dieses Landes geendet hätte, war damals eben auch schon ein Völkisch-Relativierender Feiergrund. Einziger Unterschied, mensch war nicht nur wieder wer, nein der Nationalsozialismus, an dem der Großteil der damaligen Bevölkerung noch aktiv mitgewirkt hatte, war eben zeitlich deutlich näher gelegen.
Dementsprechend war er nicht „schon aufgearbeitet“ sondern einfach nur verdrängt.
Auf den Film will ich aber gar nicht weiter eingehen, viel interessanter scheint mir das Wort-Phänomen des „deutschesten“.
Wenn ich hypothetisch annehme, das wenn ein Film über die 50 Jahre als „deutschester“ betitelt wird, dann kann ich davon ausgehen, das in dieser Zeit auch der Wunschzustand des deutschen Systems liegt.
Das trifft auch schon den Kern, den noch immer ist es der Postfordismus und das Wirtschaftswunder, das die Herzen höher schlagen lässt und deshalb ist es Konsens von Attac über Die Linke bis hin zur CSU-Ortsgruppe Hinterstaudingen, das dieser starke Sozialstaat in seiner reinsten Form zurückgebracht werden müsse. Es ist demnach also Urdeutsch eine möglichst starken Staat zu haben, der sich um die Belange aller BürgerInnen kümmern solle, der die BürgerInnen vor den bösen Finanzkapitalisten-Heuschrecken aus dem Ausland schützen soll und der somit das beste für den Standort Deutschland (ein etwas neuerer Gedanke) tut. Darauf werden dann die Menschen vor Ort konsequenterweise von morgens bis abends eingeschworen;
Du bist nichts ohne deinen Standort!
Denn das Glück jedes einzelnen sei bekanntlich ja nur das Glück des „eigenen“ Landes.

„Wir sind keine Hooligans …

… wir sind Hugo Chavez Fans !“
Südamerika bietet zur Zeit erfreuliche Nachrichten in Hülle und Fülle:
Die traditionell beliebte EZLN ist aktiv wie immer, der Unabhängigkeitskampf bzw. antiautoritäre Kampf der Bevölkerung Oxacas gegen ihren Gouverneur Ruiz lässt noch mehr Augen leuchten und flammende Solidaritätsbekundungen fließen, dazu noch die Wahlerfolge der Linken Parteien in Nicaragua, Bolivien, Ecuador und eben in Venezuela.
Enstanden ist eine Achse, die in der Lage sein sollte auf Staatlicher Ebene dem Kapitalistischen Einheitsbrei rund um USA und Europa die Stirn zu bieten. Doch es kommt immer alles anders und so trafen sich zum wiederholten Male Hugo Chavez und der Iranische Präsident Ahmadinedschad, um, unter anderem, ihre „Brüderlichkeit“ zu unterstreichen.
Doch nicht nur dort war Ahmadinedschad, frisch von seiner Konferenz der Holocaust-Leugner und Antisemiten, auf Sympathienfang, auch den restlichen vom „Links-Ruck“ erhellten Ländern statte er einen Besuch ab und war sogar bei der Vereidigung Rafael Correas in Ecuador zugegen.
Nun lässt sich fragen warum gehen diese doch so sympatisch wirkenden Staatschefs Bündnisse oder Schulterschlüsse mit Ahmadinedschad ein ?
Geld ? Öl ? Waffen ?
Aus welchen Gründen auch immer sie es tun, jegliche sich auch nur ansatzweise emanzipatorisch betitelnde Linke sollte in der Lage sein zu erkennen, dass ein Bündnis mit Holocaust-Leugnern, Islamisten (so sehr ich das Wort auch hasse , trifft es hier doch zu) und Antisemiten niehmals tragbar ist. Weiterhin sollte daraus die Erkenntnis resultieren, dass diese Länder/Regierungen moralisch nicht tragbar und daher auch nicht durch Sympathien oder jedweige Solidaritätsbekundungen in ihrem Kurs bekräftigt werden dürfen.
Stattdessen ist es wichtig und nötig Klarheit zu schaffen und eindeutig die nicht Duldung dieses Zustandes zu demonstrieren, mit aller Macht und jeglichen Mitteln.

Solidarität gehört Menschen, Hass den regierenden Strukturen!

Bundeswehr – Ein Job wie jeder andere ??

An meiner geliebten Schule liegen immer wieder wunderbare Blätter, Zeitschriften und Heftchen mit dem Thema :“ Abi , was dann ? “ aus.
Aufgrund eines Anfluges von Langeweile habe ich mich einfach mal durch den ganzen Haufen gekämpft um dann auf einen ganz besonderen Leckerbissen zu stoßen.
Unicum Nr12 2006, direkt auf der Rückseite des Titelblattes, eine DINA4 Anzeige der Bundeswehr.
Solgan Nicht jede Ausbildung bringt dich soweit nach oben. . Aber keine Angst es wird noch besser, es geht, wie sich am Wortspiel vermuten ließ um eine Pilotenausbildung, also im Text heißt es weiter

Unsere Auswahlkriterien sind genauso anspruchsvoll wie die späteren Einsätze

Ok die unter Perspektiven nocheinmal angesprochenen „Flugeinsätze im In- und Ausland“ sind jetzt also nicht mehr, wie es im Geiste einer Armee liegt, rein Kriegerisch, was bedeutet gegen Menschen gerichtet, sondern sie sind jetzt „Anspruchsvoll“ . Um sich weiter als „seriöser“ Arbeitgeber zu Etablieren, weist die Bundeswehr auch nocheinmal verstärkt darauf hin das die Auszubildenen „Soziale Kompetenz und Teamwork“ erlernen bzw. erfahren würden.
Das Kriegseinsätze aber keine Normale „Fließband-38-Stunden-Woche“ darstellen , dass „Karriere bei der Bundeswehr“ bedeutet Karriere über Menschenleben ,und das wortwörtlich, zu machen wird in keinem Satz , ja in keinem Wort erwähnt.
Schlimmer noch, mensch würde sich für

einen Arbeitsplatz mit faszinierenden Aussichten

bewerben, wenn das nicht verlockend klingt .
Traurigerweise stößt all das kaum noch auf Protest, Abgesandte der Bundeswehr können in aller Seelenruhe an Schulen den perspektivlosen Jugendlichen die Bundeswehr als Alternative zu HartzIV nahelegen, das bezahlte Studium beim Bund statt Studiengebühren und den sowieso nur Humanitären „Job“ als Soldat empfehlen.
Durch häufige Inlandspräsenz, Fluthelfer, Katastrophenschutz, zukünftig auch noch Terrorschutz (Flugzeuge abschießen, G8 Terroristen bekämpfen), etabliert sich die Bundeswehr als „normales nettes“ Heer, gepaart mit dem Standortnationalismus, “ wir sind wieder wer“ kommt eine gar abscheuliche Mischung herraus, die jedoch breitwillig vom Deutschen von heute geschluckt wird.
Denn, wie wir wissen hat heute jede Nation ein Heer zu haben, all die Probleme in der großen Welt sind mit Krieg zu lösen, und wenn nur durch den mittels eines möglichen Einsatzes ausgeübten Druck.
Krieg wird zum Alltag die Bundeswehr normal.

Doch es bleibt wie es war, Krieg ist nicht normal, Tote nicht zu akzeptieren und Soldaten sind, und waren es schon immer, Mörder!

A wie Abschiebung

Nun grüßt sie uns wieder:
Die Separation !
Seit etlichen Tagen und Nürnberg ist es offiziell, nicht alle AusländerInnen sind auch Schmarotzter.
Die ,die Billigjobs annehmen und den Deutschen somit keine ihm gebührenden Hochqualifizierten Jobs und/oder Frauen wegnehmen , sind „gute“ MigrantInnen.
Das erfreut , wer also bis zum ende dieses Monats einen Job hat darf sofort zur nächstgelgenen Ausländerbehörde und ist auf der Stelle bleibeberechtigt.
An alle anderen appelliert unser geliebter Niedersächsischer Innenminister: „Die Abschiebung sollte das allerletzte Mittel sein.“ So Schünemann , denn wer Deutschland freiwillig verlasse , müsse auch nicht abgeschoben werden.
Schön gedacht Herr Schünemann!

Zurück zum Thema.
Schätzungsweise 60.000 MigrantInnen sollen von der neuen Regelung betroffen sein und somit ein Bleiberecht erhalten.Doch sind das viel zu wenig verglichen mit den horenden Zahlen der sich in Deutschland aufhaltenden im existenziösen Zwilicht lebenden.
Nicht Legal , aber trozdem geduldet , in Abschiebelager gefercht , um sie dazu zu treiben doch möglichst „freiwillig“ auszureisen.
Denn wie wir wissen ist die Abschiebung unter zuhilfenahme von Gewalt das allerletzte Mittel.
Dafür danken wir Herrn Schünemann .

Welcome to the „Unterschicht“

Es gibt Streit in der Politik, an sich ja nichts ausergewöhnliches, nur das Thema ist für links denkende Gesellschaftsschichten, für Rechte Spaten leider auch, besonders interessant und viel thematiesiert .
Es geht um Armut, um die Unterschicht, die keine ist, und um Hartz IV.
Sowie um die Verbindung all dieser Begriffe.
Auslöser war, mehr oder weniger, eine von der Friedrich-Ebert-Stiftung erstellte Studie nach der 8% der Bevölkerung in Deutschland zu einer von Armut und Sozialer Verachtung gekennzeichneten Unterschicht gehören. Zusammen mit den schon lange bekannten OECD Ergebnissen, nachdenen die Bildungschanchen in Deutschland für Arme bis Ärmere außerordentlich miserabel sind, ergibt sich ein Bild der aussichtslosen vegitierenden Armen, die aufgrund mangelnder Möglichkeiten nichts an ihrer prekären Lage ändern können.
Nun ist es also an der Zeit für PolitikerInnen zu diskutieren.
Aufgegriffen wurde diese Studie von SPD-Fraktionsvize Stefan Hilsberg der die Hartz-Reformen der Rot-Grünen Regierung unter Gerhard Schröder als Lebenslüge bezeichnete und von Ottmar Schreiner, der die Schaffung oder Verstärkung der prekären Lage dieser Unterschicht erst als Resultat dieser und der aus ihr resultierenden Zwangsmaßnahmen gegen vermeintliche Sozialschmarotzer und Arbeitsverweigerer sah.
Doch erschallt Kritik, ist der Widerspruch der alten Garde nicht weit. So ereiferte sich die Politische Führungsschicht auf ihrer vollen Breite über das Wort „Unterschicht“, ein diffamierender Begriff der, so Franz Müntefering, doch nur von „Lebensfremden“ SoziologInnen benutzt werden würde.
Es seien doch eher sozial minderbemittelte, denen der Aufstieg schwer fallen würde, denn, hört hört, in Deutschland gäbe es an sich gar keine Schichten.
Diese Feststellung ist schlichtweg falsch.
Schon seit einiger Zeit ist klar und dieses auch durch Studien belegt, dass das primäre Merkmal einer Klassengesellschaft, nämlich die Weitergabe der Sozialen und Gesellschaftlichen Aufstiegschanchen in Deutschland Realität ist.
Familien die Geld haben, können sich eine bessere bzw überhaupt ausreichende Schulbildung mit Nachhilfe Privatschulen, Förderunterricht, usw. leisten.
Studiengebühren und Abschaffung der Lermittelfreiheit verstärken diesen Effekt noch, so das real kaum noch Chanchen für Kinder von Hartz IV Empfängern bestehen eine „höere“Schulbildung über Gymnasium, Abitur und Uni, zu erlangen. Somit ist der Begriff „Unterschicht“ keine Absurdität aus „Lebensfremden“ Soziologien sondern Realität, die von der lebensfremden Politik verkannt wird.
Nicht die Begrifflichkeit ist das Diffamierende, es ist die Politik, die jeden Arbeitslosen auch als potentiellen Arbeitsverweigerer hinstellt und diesen Begriff mit reichlich Druck und Assoziationen unterlegt hat, so dass Sozialschmarotzer, bis dato das Lieblingswort rechter Stammtisch-Polemiker um MigrantInnen zu umschreiben, jetzt jedeR ist der/die unter Hartz IV und der daraus folgenden Prekariesierung ihres/seines Lebens zu leiden hat.

Die E L I T E

Ich bin Schüler.

Das bedeutet wie etliche andere Jugendliche , sind sie nicht zufällig arbeitslos, d.h Sozialschmarotzer oder überflüssig , gehe ich zur Schule.
Auf eben dieser spielt sich seit einiger Zeit ein kleines Drama ab , das mir direkt vor Augen führt , wovon eigentlich die Rede ist , wenn Deutschland , um wettbewerbsfähiger gemacht zu werden , elitariesiert werden soll.
Auf Beschluss der Gesamtkonferenz wurde angeordnet das eine Italien Fahrt , die seit etlicher Zeit pünktlich zur 11ten Klasse von den Latein-SchülernInnen durchgeführt wird , aufgrund von enormen Anmeldungen ersteinmal den „leistungsstarken“ SchülernInnen vorbehalten ist und die schwächeren SchülerInnen nicht mitgenommen werden, genau so wenig wie LehrerInnen SchülerInnen nicht mitnehmen müssen, wenn sie sie für nicht „Vertrauenswürdig“ halten.

Grundtenor hierbei , die „Leistungsstarken würden sich mehr anstrengen/hätten es mehr verdient“. Zwar bleibt den Schwächeren die Möglichkeit die Fahrt im darauffolgenden Jahr zu wiederholen, doch ändert das nichts an der Problematik bzw an den Gedanken die hinter diesen Gedanken stecken.

Elite bzw Leistung ist hier gleichgesetzt mit Stromlinienförmiger Anpassung, wer auffällt oder unzulänglichkeiten in diesem Thema aufweist dem wird nicht geholfen sich weiter zu entwickeln , stattdessen wird die betreffende Person zur Strafe ausgeschlossen, um so aus ihren „Fehlern“ lernen zu können.
Das LehrerInnen nicht jeden Schüler mögen können ist verständlich und auch nachvollziebahr Antipathien bilden sich numal sehr oft und das auch im Lehrer-Schüler Verhältnis, trotz alledem spricht es Bände diese Antipathien auf Lehrerseite jetzt als ausschlaggebend für die Teilnahme an Kurs- und Studienfahrten , das heisst Gesellschaftlichen Events, zu sehen. Für die Notenvergabe hat dieses inzwischen bedauerlicherweise schon Tradition.

Förderungswürdig ist also nach diesem Modell nur , wer nicht aneckt oder anderwertig negativ auffällt, wie der Rektor der betroffenen Schule so schön sagte „In der freien Marktwirtschaft kann man es sich auch nicht leisten mit seinem Chef zu diskutieren!“(sinngemäß).
Gefährlich auffällig sind hier Zwei Gedankengänge :

1) Wie leider immer häufiger , ist die Schule nicht mehr der Hort der persöhnlichen und kulturellen Weiterentwicklung. Also was ich hier lerne ist nicht mehr dazu gedacht mich als Person zu voran zu bringen und mich zu entfalten , nein es soll mich für die Wirtschaft und Verarbeitung in dieser „wertvoll“ machen. Destso mehr die Schule das schafft destso erfolgreicher ist sie, folglich auch ihr Direktor bzw ihre Lehrerschaft.
Wenn dieser Direktor nun also sagt das hier(Schule) keine Demokratie herrscht, weil das zu Vorbereitung auf die Marktwirtschaft nur nützlich sei, dann suggeriert er nicht nur diese Wertschaffung sondern auch Gedankengang Numer zwei, der da wäre

2) Wenn es mir also in der „freien“ Marktwirtschaft nicht erlaubt ist mit meinem Chef zu diskutieren , was die Hauptaufgabe von zb Gewerkschaften ist, dann elegitimiert er diese und impliziert auch weiterhin das die Autorität eines Chefes zu akzeptieren sei.
Gründe hierfür gibt es keine , weder der ChefIn noch DirektorIn werden von der Schülerschaft gewählt.

Also verlangt er auch hier absoulute Anpassung und unterwürfigkeit , wie sie bereits von mir erwähnt wurde.

Genau dieser Vorgang ist es also der hier im kleinen und vielleicht auch unbedeutenden beginnt und dann , nach der Vorstellung unserer Führungselite, in der Wettbewerbstauglichkeit Deutschlands endet.
Was ich von diesen Wörtern halte können sich die meisten sicherlich denken :)

Gedanken zum Goldenen Herbst

Es ist also soweit, er fängt endlich an , der gold-rote Herbst.
Mit Nazi-“Großaufmärschen“ überall in Deutschland , aber ganz besonders in Göttingen am 28.10, wird wieder polarisiert in der Linken Szene.
Ist „Links sein“ nur gegen Nazis , oder noch weitaus mehr ?
Genaugenommen ist Linksradikalismus eher letzteres, nur ergibt sich eben aus den Dogmatischen Übereinstimmungen der meisten Linken-Ströhmungen das eine Abschaffung von Staat und Nationalität doch erforderlich ist um die Welt grundlegend zu verbessern.
Daraus resultiert der Kampf gegen jede Form von Nationalismus beginnend im Kleinen und schlussendlich eben auch bei Nazi-Aufmärschen in der direkten und Notfalls auch militanten Blockade dieser.
Gut ist das hierbei auch endlich ganz stark nicht nur das Blockieren sondern auch das schaffen von Inhaltliche Alternativen zu den Themen der Nazis, die sich immer stärker an traditionell Linken Ideen annähern , verkürtzte Kapitalismuskritik wo der Jude zur Heuschrecke wird ist das Stichwort, durchgeführt wird.
So startet das Bündnis um die Göttinger Antifa-Gruppen schon lang vor dem Naziaufmarsch mit der Thematiesierung von Linken Inhalten und Ideen, um uns als Linke vielleicht endlich auch wieder so in der Öffentlichkeit zu präsentieren wie wir wirklich sind :
Als Inhaltliche Alternative zum Mainstream-Kaiptalismus und Party-Patriotismus und nicht als Randalegeile unausgelastete Studenten.
Wenn dieser Schritt gelingt, dann lässt sich auch die Notwendigkeit der Militanz besser darlegen und erörtern.
Aber um dieses Ziel zu erreichen darf es nicht bei den Vorzeige Aktionen der Göttinger bleiben, auch die Dorf-Antifa und sonstige Linke Gruppierungen auf dem Lande , abseits von Linken „Hochburgen“ wie Göttingen, müssen eine tägliche Präsenz erreichen um den Menschen näher zu bringen , was wir wirklich wollen.
Wenn das geschafft wird , dann wird aus dem Gold-Rotem Herbst ,mit Verlängerung über Castor-Transporte usw bis hin zu dem G8-Gipfel in Heiligendamm im Sommer nächsten Jahres , eine Gold-Rote Zeit .

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