Bündnisse, Theorie und Sesselpupser

Nachdem ich mir die von Sous la Plage initiierte Diskussionsrunde über Sinn und Unsinn angehört habe, ist das jetzt quasi mein Versuch der Nachbearbeitung.

Als erstes auffällig ist, besonders beim Diskussionsteil am Ende, aber auch vorher schon in einzelnen Redebeiträgen, das heftige und ausgeweitete Gestichele in möglichst die Richtung der anders Positionierten. Da wird aus der Gruppe 8.Mai mal ganz schnell ein Haufen Sesselpupser (mein neues Lieblingswort) und aus Avanti und IL eine Ansammlung von Aktionsfetischisten (ich weiß den genauen Wortlaut nicht mehr). Eigentlich wäre das ja nicht weiter tragisch, nennen kann jedeR alle so wie es dem eigenen Geist beliebt, problematisch wird es aber dadurch das tendenziell über solch nichtige Begrifflichkeiten die eigentlichen Inhalte vergessen werden und die Diskussion zu einer Farce wird in der lediglich auf irgendwie Diffamierenden Schuldzuweisungen rumgeritten wird.
Inhalt der Diskussion war, das fand ich als solche auch interessant und ergiebig:

Bündniskultur

Besonders Gruppen wie AVANTI und IL mussten sich da anhören, das sie gerade durch ihre Intervention in große Bündnisse mit NGO’s wie dem Missionswerk usw. nur eine marginalisierte Randrolle einnehmen könnten (passend, denn mehr ist die Radikale Linke auch zZ. leider nicht) und dementsprechend dann Aufrufe unterzeichnen würden, bzw. müssten, die eben alles andere als Linksradikale Inhalte darstellen.
Diese Kritik ist richtig und die genannten Gruppen müssen sich das auch gefallen lassen, nur anstatt sich dann schmollend in eine Ecke zu verziehen sollte mehr darüber nachgedacht werden, in welcher Art und Weise denn Bündnisse mit nicht Linksradikalen Gruppen betrieben werden können. Die Schlussfolgerung das diese ganz und gar ausbleiben sollten halte ich für falsch, denn wie gut dargelegt wurde, ermöglicht vielleicht gerade die Intervention in solche Bündnisse eine Stärkung radikaler Inhalte und eine größere Personengruppe die damit erreicht werden kann.
Das bedeutet also, dass unter Umständen ein zentraler Aufruf nicht unbedingt das verstecken der eigenen Position bedeutet, sondern eher das Zurückstecken aller Beteiligten erfordern müsste. Also statt einen Konkreten Text als gemeinsamen Aufruf zu veröffentlichen könnte und sollte eine Linksradikale Bündnissbeteiligung darauf hinwirken, dass der gemeinsame Aufruf aufs Minimalste gekürzt und stattdessen einzelne Aufrufe der teilnehmenden Gruppen angehängt werden könnten, in dem dann, ohne auf die Dummheit der anderen hinzuweisen, die eigene Position dargelegt wird und erklärt wird das trotz aller inhaltlichen Differenzen ein gemeinsames und solidarisches Auftreten von Nöten sei.
Wenn dieses nicht möglich ist, oder aufgrund von zu starken Inhaltlichen Differenzen nicht denkbar scheint, dann muss auf das Bündnis verzichtet werden, da eine komplette Aufgabe und ein bloßes Signieren von befremdlich wirkenden Aussagen bezüglich der Thematik keinesfalls wünschenswert sein kann.

G8, Hin oder nicht?

Es schien allgemein Konsens zu sein, dass es auf jeden fall die Aufgabe einer Radikalen Linken sein sollte in Soziale Kämpfe einzugreifen und Position zu beziehen.
Differenzen gab es lediglich bei der frage OB auch für den G8 Mobilisiert werden sollte.
Richtig ist zwar, dass die Gefahr besteht, bei einer G8-Kritik schnell in eine Personalisierende und damit Verkürzte Kapitalismuskritik überzugehen, aber trotzdem bleibt die Frage warum denn bei G8, ein Ereignis an dem sich nun mal Soziale Kämpfe Manifestieren nicht eingegriffen werden sollte.
Denn, die Personalisierende Kritik ist real vorhanden und wird geäußert, sei es von Attac vom DGB, von Greenpeace usw. Das bedeutet, dass solange bei einer Mobilisierung darauf geachtet wird klarzustellen, dass das G8-Treffen lediglich eine Möglichkeit unter vielen ist Kritik zu äußern ist es sehr wohl nötig und legitimiert dort auch vor Ort eine Manifestation dieser Kritik der falschen Zustände zu äußern und vielleicht eine Änderung der Denkweise zu bewirken. Auch ein Streik bei dem die Arbeiter ihren Konzern vor den bösen Heuschrecken beschützen wollen ist zwar durchzogen von falschen Ansätzen der Kritik, aber trotz alledem ein Punkt an dem eingegriffen werden sollte mit dem Versuch diese Kritik in die richtigen(besser in richtigere) Bahnen zu lenken.
Es ist also richtig zum G8 zu fahren und dort den Unmut über die Scheiße die tagtäglich stattfindet zu äußern, genauso wie es richtig ist in Frankfurt, Köln, München, Hannover und Berlin während, vor und nach dem G8-Gipfel die gleiche Kritik zu äußern, in einem Konsens von Sesselpupern und Aktionsfetischisten.


3 Antworten auf “Bündnisse, Theorie und Sesselpupser”


  1. 1 viva la muerte 11. April 2007 um 15:33 Uhr

    Gute Gedanken.
    Gebe dir Recht.

  2. 2 Maike 10. Mai 2007 um 21:44 Uhr

    „Versuch diese Kritik in die richtigen (besser in richtigere) Bahnen zu lenken“? Von wann stammt dieses „Die Avantgarde lenkt“-Konzept? Wäre vielleicht mal Zeit, ein paar Gedanken drauf zu pupen.

  3. 3 autonomelinke 10. Mai 2007 um 22:38 Uhr

    bei in die richtige bahnen lenken dachte ich eher an ein verständlich machen der probleme die mit und durch gewisse kritikweisen enstehen.

    also keinesfalls „tu dies, mach das“, eher „denk mal drüber nach, wieso das, wieso dies.“

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