Archiv für März 2007

Klassiker

Durch einen Link in dem schlecht frequentierten Ungdomshuset Forum bin ich auf einen wunderbaren Film von 1986 gest0ßen.
Es geht um den Militanten Kampf um ein besetztes Haus in Kopenhagen, um die Unfähigkeit der Politik und darum, wie die Anspannung hinter den Barrikaden anfängt die BesetzerInnen kaputt zu machen.
Schaut ihn euch an, ist wirklich ein super Film, an dem einzig die etwas schlechte Qualität und später fehlende Synchronität zwischen Ton- und Filmspur zu bemängeln ist.

Scheiß Sexismus

Irgendwie scheint mir, das dass die wohl treffendste Aussage über den Emanzipatorischen Ist-Zustand ist. Eigentlich ist alles um uns herum sexistisch, jede Geste, jedes Wort, jeder noch so gut gemeinte Vorschlag/Witz.
Das Problem ist, glaub ich, nicht nur einfach bösartige und absichtliche Diskriminierung von Menschen, aufgrund irgendwelcher angeblich Phänotypisch determinierten Verhaltensweisen, sonder eben überhaupt erst die Annahme dieser.
Es ist also nicht in dem Maße verwerflich und Sexistisch, wenn ich eine Freundin ärgere, weil sie nicht einparken kann oder ich mich über ähnliche Verhaltensweisen erheitere.
Wirklich schlimm und gefährlich wird es erst dann, wenn ich einen Menschen anfange aufgrund seines Geschlechtes anders zu behandeln. Wenn ich gegenüber meinen Freundinnen eine andere Maske aufsetze als gegenüber meinen Freunden und wenn ich mich dadurch selbst in Phänotypische Rituale zwänge.
Also ganz konkret, wenn ich mich, männlich dominant wie ich bin, auch so verhalte, wenn ich z.B. bei Disskusionen immer Vorpresche usw.
Nun gut, genug des dümmlichen Geschwafels, Sexismus ist ein Phänomen, das als dickes Label unsere jetzige Gesellschaft ziert. Akzeptieren dürfen wir das keinesfalls und vor allem ist wichtig gerade bei diesem Thema nicht nur den moralischen Zeigefinger gegenüber anderen zu erheben, sonder auch immer wieder darüber nachzudenken ob mensch selber nicht vielleicht auch ab und an SexistInn ist.
Am 8.März und an den restlichen 364 Tagen des Jahres.

Ungdomshouset und Krawall

Nach der Räumung des Ungdomshouset am Donnerstagmorgen in Dänemark ließen sich zwei äußerst erfreuliche Effekte im Zuge dieses eigentlich beschissenen Ereignisses beobachten.

Erstens, die flammenden Solidaritätsbekunden für das Ungdomshouset, die Kraft, Kreativität und Energie, mit der protestiert, informiert und agiert wurde. In fast allen Deutschen Groß- und auch in etlichen Kleinstädten gab es Soli-Kundgebungen, Demos, und teilweise auch Barrikaden und Ausschreitungen. Zentrum des ganzen war natürliche Kopenhagens Stadtteil Nörrebrö, Stundenlange Straßenschlachten die sich auch am Freitagabend nicht eindämmen ließen, fanden mit Unterstützung Internationaler GenossInnen statt.

Zweitens war besonders im Medienecho etwas Erfreuliches zu beobachten. Jegliche Art von Krawalle und Ausschreitungen wurden immer ursächliche mit der Räumung des Ungdomshouset in Verbindung gebracht, oftmals wurde z.B. im Radio oder in Zeitungsmeldungen der Bürgerlichen Presse sogar relativ ausführlich auf die Situation und die Geschichte des Hauses eingegangen. Somit lies die Presse anscheinend wenigstens dieses eine Mal ihre sonstige Argumentation von der angeblich Sinnentleerten und Destruktiven Randale fallen.
Denn wenn klar wird, was sich oftmals mit einer einfachen gedanklichen Transferleistung der Lesenden erreichen lies, dass es sich bei diesen Ausschreitungen eben nicht um Themenlose Krawall sondern um eine direkte Reaktion auf die Aktive und Strukturelle Gewalt, die überall auf der Erde auf linke emanzipatorische Freiräume ausgeübt wird, dann steigt die Akzeptanz der antikapitalistischen linken Argumentation und Handlungen auch im Bürgerlichen Lager.
Dass das nicht alles ist, ist mir sehr wohl bewusst, ebenso wie es sich bei Ausschreitungen eben auch immer um einen bewussten Bruch mit der Bürgerlichen Protestmoral und Wertvorstellung in Bezug auf demokratische und undemokratische Prozesse handelt, ABER es ist vielleicht ein erster Schritt auch für die radikale Linke, sich selbst eine breitere auch zuhörende Öffentlichkeit zu schaffen, ohne dazu elementare Teile ihres Kritischen Handelns aufzugeben.
Denn, so richtig die Argumentation Linksradikaler Gruppierungen sein mag, auch sie braucht eine Öffentlichkeit, die sich eben nur über Systemimmanente Medien erreichen lässt, aber wo mehr Gehör zu finden ist, da wächst auch die Sympathie und Unterstützung und somit wäre es ein Schritt zu Stärkung der teilweise stark schwächelnden Strukturen, gerade in kleineren Ortschaften.
Aber es trägt sicherlich auch seine Risiken mit sich, denn wer anfängt sich auf Mediales Echo für die eigenen Aktionen zu verlassen, der fängt auch an die Kreativität und Wichtigkeit der wirklich radikalen Kritik aus den Augen zu verlieren, so das dieses Spiel mit dem Feuer auch in eine andere, deutlich schlechtere Richtung umschlagen kann.
Letztendlich bleibt es uns allen selbst überlassen, wie wir mit Medien umgehen, wichtig ist es nur, neben den Zielen auch den richtigen Weg nie aus den Augen zu verlieren.

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