Der/Die/Das deutscheste

Beim ganz gewöhnlichen Zappen durchs TV-Programm am heutigen morgen fiel mir eine kurzer Ausschnitt auf dem Programm „das vierte“ ganz besonders ins Auge.
Es ging um Sportfilme mit dem dritten Komparativ, der traurigste, der schönste, der kälteste usw.
Als letztes ging dann der „deutscheste“ Film an den Start, was natürlich „das Wunder von Bern“ von Sönke Wortman (dem Film-Vorreiter der „Deutschtümelei“) sein sollte.
Das wirft für mich die Frage auf, was macht diesen Film zum „Deutschesten“ Sportfilm, aber noch viel interessanter, was ist eigentlich am „deutschesten“?
Im ganz besonderen Maße „deutsch“ macht den Film, dass es um den Gewinn der Fußball-WM 1954 geht, bei der, wie war es anders zu erwarten, aus Deutschland stammende Menschen (sog. Deutsche) sich den Titel sichern konnten.
Was letzten Sommer vermutlich in dem größten Fanenmeer-Besäufnis in der traurigen Geschichte dieses Landes geendet hätte, war damals eben auch schon ein Völkisch-Relativierender Feiergrund. Einziger Unterschied, mensch war nicht nur wieder wer, nein der Nationalsozialismus, an dem der Großteil der damaligen Bevölkerung noch aktiv mitgewirkt hatte, war eben zeitlich deutlich näher gelegen.
Dementsprechend war er nicht „schon aufgearbeitet“ sondern einfach nur verdrängt.
Auf den Film will ich aber gar nicht weiter eingehen, viel interessanter scheint mir das Wort-Phänomen des „deutschesten“.
Wenn ich hypothetisch annehme, das wenn ein Film über die 50 Jahre als „deutschester“ betitelt wird, dann kann ich davon ausgehen, das in dieser Zeit auch der Wunschzustand des deutschen Systems liegt.
Das trifft auch schon den Kern, den noch immer ist es der Postfordismus und das Wirtschaftswunder, das die Herzen höher schlagen lässt und deshalb ist es Konsens von Attac über Die Linke bis hin zur CSU-Ortsgruppe Hinterstaudingen, das dieser starke Sozialstaat in seiner reinsten Form zurückgebracht werden müsse. Es ist demnach also Urdeutsch eine möglichst starken Staat zu haben, der sich um die Belange aller BürgerInnen kümmern solle, der die BürgerInnen vor den bösen Finanzkapitalisten-Heuschrecken aus dem Ausland schützen soll und der somit das beste für den Standort Deutschland (ein etwas neuerer Gedanke) tut. Darauf werden dann die Menschen vor Ort konsequenterweise von morgens bis abends eingeschworen;
Du bist nichts ohne deinen Standort!
Denn das Glück jedes einzelnen sei bekanntlich ja nur das Glück des „eigenen“ Landes.


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