Archiv für Oktober 2006

Welcome to the „Unterschicht“

Es gibt Streit in der Politik, an sich ja nichts ausergewöhnliches, nur das Thema ist für links denkende Gesellschaftsschichten, für Rechte Spaten leider auch, besonders interessant und viel thematiesiert .
Es geht um Armut, um die Unterschicht, die keine ist, und um Hartz IV.
Sowie um die Verbindung all dieser Begriffe.
Auslöser war, mehr oder weniger, eine von der Friedrich-Ebert-Stiftung erstellte Studie nach der 8% der Bevölkerung in Deutschland zu einer von Armut und Sozialer Verachtung gekennzeichneten Unterschicht gehören. Zusammen mit den schon lange bekannten OECD Ergebnissen, nachdenen die Bildungschanchen in Deutschland für Arme bis Ärmere außerordentlich miserabel sind, ergibt sich ein Bild der aussichtslosen vegitierenden Armen, die aufgrund mangelnder Möglichkeiten nichts an ihrer prekären Lage ändern können.
Nun ist es also an der Zeit für PolitikerInnen zu diskutieren.
Aufgegriffen wurde diese Studie von SPD-Fraktionsvize Stefan Hilsberg der die Hartz-Reformen der Rot-Grünen Regierung unter Gerhard Schröder als Lebenslüge bezeichnete und von Ottmar Schreiner, der die Schaffung oder Verstärkung der prekären Lage dieser Unterschicht erst als Resultat dieser und der aus ihr resultierenden Zwangsmaßnahmen gegen vermeintliche Sozialschmarotzer und Arbeitsverweigerer sah.
Doch erschallt Kritik, ist der Widerspruch der alten Garde nicht weit. So ereiferte sich die Politische Führungsschicht auf ihrer vollen Breite über das Wort „Unterschicht“, ein diffamierender Begriff der, so Franz Müntefering, doch nur von „Lebensfremden“ SoziologInnen benutzt werden würde.
Es seien doch eher sozial minderbemittelte, denen der Aufstieg schwer fallen würde, denn, hört hört, in Deutschland gäbe es an sich gar keine Schichten.
Diese Feststellung ist schlichtweg falsch.
Schon seit einiger Zeit ist klar und dieses auch durch Studien belegt, dass das primäre Merkmal einer Klassengesellschaft, nämlich die Weitergabe der Sozialen und Gesellschaftlichen Aufstiegschanchen in Deutschland Realität ist.
Familien die Geld haben, können sich eine bessere bzw überhaupt ausreichende Schulbildung mit Nachhilfe Privatschulen, Förderunterricht, usw. leisten.
Studiengebühren und Abschaffung der Lermittelfreiheit verstärken diesen Effekt noch, so das real kaum noch Chanchen für Kinder von Hartz IV Empfängern bestehen eine „höere“Schulbildung über Gymnasium, Abitur und Uni, zu erlangen. Somit ist der Begriff „Unterschicht“ keine Absurdität aus „Lebensfremden“ Soziologien sondern Realität, die von der lebensfremden Politik verkannt wird.
Nicht die Begrifflichkeit ist das Diffamierende, es ist die Politik, die jeden Arbeitslosen auch als potentiellen Arbeitsverweigerer hinstellt und diesen Begriff mit reichlich Druck und Assoziationen unterlegt hat, so dass Sozialschmarotzer, bis dato das Lieblingswort rechter Stammtisch-Polemiker um MigrantInnen zu umschreiben, jetzt jedeR ist der/die unter Hartz IV und der daraus folgenden Prekariesierung ihres/seines Lebens zu leiden hat.

Die E L I T E

Ich bin Schüler.

Das bedeutet wie etliche andere Jugendliche , sind sie nicht zufällig arbeitslos, d.h Sozialschmarotzer oder überflüssig , gehe ich zur Schule.
Auf eben dieser spielt sich seit einiger Zeit ein kleines Drama ab , das mir direkt vor Augen führt , wovon eigentlich die Rede ist , wenn Deutschland , um wettbewerbsfähiger gemacht zu werden , elitariesiert werden soll.
Auf Beschluss der Gesamtkonferenz wurde angeordnet das eine Italien Fahrt , die seit etlicher Zeit pünktlich zur 11ten Klasse von den Latein-SchülernInnen durchgeführt wird , aufgrund von enormen Anmeldungen ersteinmal den „leistungsstarken“ SchülernInnen vorbehalten ist und die schwächeren SchülerInnen nicht mitgenommen werden, genau so wenig wie LehrerInnen SchülerInnen nicht mitnehmen müssen, wenn sie sie für nicht „Vertrauenswürdig“ halten.

Grundtenor hierbei , die „Leistungsstarken würden sich mehr anstrengen/hätten es mehr verdient“. Zwar bleibt den Schwächeren die Möglichkeit die Fahrt im darauffolgenden Jahr zu wiederholen, doch ändert das nichts an der Problematik bzw an den Gedanken die hinter diesen Gedanken stecken.

Elite bzw Leistung ist hier gleichgesetzt mit Stromlinienförmiger Anpassung, wer auffällt oder unzulänglichkeiten in diesem Thema aufweist dem wird nicht geholfen sich weiter zu entwickeln , stattdessen wird die betreffende Person zur Strafe ausgeschlossen, um so aus ihren „Fehlern“ lernen zu können.
Das LehrerInnen nicht jeden Schüler mögen können ist verständlich und auch nachvollziebahr Antipathien bilden sich numal sehr oft und das auch im Lehrer-Schüler Verhältnis, trotz alledem spricht es Bände diese Antipathien auf Lehrerseite jetzt als ausschlaggebend für die Teilnahme an Kurs- und Studienfahrten , das heisst Gesellschaftlichen Events, zu sehen. Für die Notenvergabe hat dieses inzwischen bedauerlicherweise schon Tradition.

Förderungswürdig ist also nach diesem Modell nur , wer nicht aneckt oder anderwertig negativ auffällt, wie der Rektor der betroffenen Schule so schön sagte „In der freien Marktwirtschaft kann man es sich auch nicht leisten mit seinem Chef zu diskutieren!“(sinngemäß).
Gefährlich auffällig sind hier Zwei Gedankengänge :

1) Wie leider immer häufiger , ist die Schule nicht mehr der Hort der persöhnlichen und kulturellen Weiterentwicklung. Also was ich hier lerne ist nicht mehr dazu gedacht mich als Person zu voran zu bringen und mich zu entfalten , nein es soll mich für die Wirtschaft und Verarbeitung in dieser „wertvoll“ machen. Destso mehr die Schule das schafft destso erfolgreicher ist sie, folglich auch ihr Direktor bzw ihre Lehrerschaft.
Wenn dieser Direktor nun also sagt das hier(Schule) keine Demokratie herrscht, weil das zu Vorbereitung auf die Marktwirtschaft nur nützlich sei, dann suggeriert er nicht nur diese Wertschaffung sondern auch Gedankengang Numer zwei, der da wäre

2) Wenn es mir also in der „freien“ Marktwirtschaft nicht erlaubt ist mit meinem Chef zu diskutieren , was die Hauptaufgabe von zb Gewerkschaften ist, dann elegitimiert er diese und impliziert auch weiterhin das die Autorität eines Chefes zu akzeptieren sei.
Gründe hierfür gibt es keine , weder der ChefIn noch DirektorIn werden von der Schülerschaft gewählt.

Also verlangt er auch hier absoulute Anpassung und unterwürfigkeit , wie sie bereits von mir erwähnt wurde.

Genau dieser Vorgang ist es also der hier im kleinen und vielleicht auch unbedeutenden beginnt und dann , nach der Vorstellung unserer Führungselite, in der Wettbewerbstauglichkeit Deutschlands endet.
Was ich von diesen Wörtern halte können sich die meisten sicherlich denken :)

Gedanken zum Goldenen Herbst

Es ist also soweit, er fängt endlich an , der gold-rote Herbst.
Mit Nazi-“Großaufmärschen“ überall in Deutschland , aber ganz besonders in Göttingen am 28.10, wird wieder polarisiert in der Linken Szene.
Ist „Links sein“ nur gegen Nazis , oder noch weitaus mehr ?
Genaugenommen ist Linksradikalismus eher letzteres, nur ergibt sich eben aus den Dogmatischen Übereinstimmungen der meisten Linken-Ströhmungen das eine Abschaffung von Staat und Nationalität doch erforderlich ist um die Welt grundlegend zu verbessern.
Daraus resultiert der Kampf gegen jede Form von Nationalismus beginnend im Kleinen und schlussendlich eben auch bei Nazi-Aufmärschen in der direkten und Notfalls auch militanten Blockade dieser.
Gut ist das hierbei auch endlich ganz stark nicht nur das Blockieren sondern auch das schaffen von Inhaltliche Alternativen zu den Themen der Nazis, die sich immer stärker an traditionell Linken Ideen annähern , verkürtzte Kapitalismuskritik wo der Jude zur Heuschrecke wird ist das Stichwort, durchgeführt wird.
So startet das Bündnis um die Göttinger Antifa-Gruppen schon lang vor dem Naziaufmarsch mit der Thematiesierung von Linken Inhalten und Ideen, um uns als Linke vielleicht endlich auch wieder so in der Öffentlichkeit zu präsentieren wie wir wirklich sind :
Als Inhaltliche Alternative zum Mainstream-Kaiptalismus und Party-Patriotismus und nicht als Randalegeile unausgelastete Studenten.
Wenn dieser Schritt gelingt, dann lässt sich auch die Notwendigkeit der Militanz besser darlegen und erörtern.
Aber um dieses Ziel zu erreichen darf es nicht bei den Vorzeige Aktionen der Göttinger bleiben, auch die Dorf-Antifa und sonstige Linke Gruppierungen auf dem Lande , abseits von Linken „Hochburgen“ wie Göttingen, müssen eine tägliche Präsenz erreichen um den Menschen näher zu bringen , was wir wirklich wollen.
Wenn das geschafft wird , dann wird aus dem Gold-Rotem Herbst ,mit Verlängerung über Castor-Transporte usw bis hin zu dem G8-Gipfel in Heiligendamm im Sommer nächsten Jahres , eine Gold-Rote Zeit .

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